Unglaublicher Flächenverbrauch

Der Flächenverbrauch der gesamten Route ist so groß, dass in etwa 6 Landwirte ihre Lebensgrundlage verlieren werden. Hier von Ausgleichsflächen zu reden, ist in unserem Gebiet unrealistisch, denn der verfügbare Grund und Boden ist ja wohl kaum vermehrbar.

Wir zitieren einen Landwirt aus Mering mit den Worten „Landwirtschaft in den Lechauen wird mit diesem Projekt nicht mehr möglich sein“.

Wie sich die Fläche errechnet sowie die Anzahl der Landwirte kann den entsprechenden Hintergrundinfos entnommen werden.

Großlösung für kleine Probleme?

Alle Politiker, die dieses Projekt befürworten, erklärten öffentlich, dass sie hauptsächlich die Ortsumfahrung Kissing und Friedberg (Süd) wollen (siehe Presseartikel Augsburger Allgemeine, 8.3.2015).

Sie sehen aber keine Chance, diese „Kleinprojekte“ im Bundesverkehrswegeplan 2015 unterzubringen. Daher wollen sie jetzt die 4-spurige Großlösung „Osttangente“ einbringen, da Großprojekte eine bessere Chance haben in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen zu werden.

Es wird also ganz offen gesagt, dass man das Großprojekt eigentlich nur will, um die zwei kleineren Ortsumfahrungen realisieren zu können. Besser kann man unsere Steuergelder, unsere Natur, Umwelt und Heimat nicht verschwenden.

Grenze der Belastung erreicht?

Die Befürworter nennen als einen Hauptgrund für die neue Trasse, dass die heutige B2 an der Grenze ihrer Belastung angekommen ist. Die Zwangsläufigkeit, dann eine neue Straße zu bauen und das auch gleich noch vierspurig, wird nicht hinterfragt.

Auch kann man bezweifeln, ob die B2 an ihrer Belastungsgrenze angekommen ist. Was bedeutet „Belastungsgrenze“ denn eigentlich und wer definiert das? Vergleicht man z.B. den Verkehrsfluss auf der B2 zwischen Mering und Augsburg-Hochzoll mit dem Stadtverkehr in München (z.B. mittlerer Ring oder Landsberger Str.) und dem Stadtverkehr in Augsburg (z.B. Friedberger Str.), so stellt man fest, dass der Verkehr auf der B2 deutlich besser fließt und wesentlich seltener Staus auftreten.

Kürzlich hat der Verkehsdatenanbieter INRIX eine Studie zu den Staus in deutschen Großstädten veröffentlicht. Augsburg rangiert auf dem 22. und damit letztem Rang.

 

Wirtschaftliche Entwicklung bedroht?

Angeblich brauchen wir die Osttangente für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises und der Gewerbegebiete. Die Politiker, die dies behaupten versäumen aber einen Plan vorzulegen, wie sie sich diese Entwicklung vorstellen, geschweige denn, dies in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

Wo sollen diese Gewerbegebiete entstehen? Wollen wir riesige Logistikzentren mitten in unseren Naherholungsgebieten? Wollen wir mehr Industrie oder mehr Dienstleistung oder mehr Tourismus?

Bereits jetzt haben wir gute Verkehrsverbindungen zur A8 und A96. Glaubt man wirklich, dass es für betriebswirtschaftlich denkende Unternehmer von Bedeutung ist, wenn sie evtl. in 20 Jahren 2-3 Minuten schneller auf der A8 sind?

Diese Argumente und andere stammen überwiegend vom staatlichen Stadtbauamt Augsburg, welches schon seit Jahren die Osttangente wünscht. Aus Augsburger Sicht kann man das verstehen. Wir sollten uns aber davor hüten, diese interessengesteuerten Argumente ungefragt zu übernehmen.

Herr Fritsch, der zuständige Beamte im staatlichen Bauamt Augsburg sagte sehr deutlich vor dem Kissinger Gemeinderat am 7.5.2015, dass die Osttangente dazu dient, „den Verkehr anzusaugen und zu bündeln“.

Nur eine Bundesstraße?

Es muß klar gesagt werden: die Osttangente wird eine autobahn-ähnliche, 4-spurige Trasse werden mit Seitenstreifen, Mittelstreifen und ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Wenn von Lokalpolitikern immer wieder gesagt wird, „es ist ja nur eine Bundesstraße“, so ist dies eine gezielte Verharmlosung.

Ein autobahnähnlicher Ausbau macht auch die Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h überflüssig. Je höher die Geschwindigkeit, umso größer die Lärmbelastung, besonders in der Nacht.

Die Osttangente wird massiv den Personen- und vor allem den Schwerlastverkehr aus Richtung Ingolstadt nach Süden von der A 8 und der B 17 anziehen und über unsere Fluren lenken. Es gibt keinen Grund, diese zusätzliche Belastung der Region zu provozieren.

Steuermittel werden „verbrannt“?

Die neue Trasse soll in Friedberg als Ausbau der ‚AIC 25 neu‘ erfolgen. Die AIC 25 wurde vor 7 Jahren als Neubau in der Friedberger Au mit dem Anschluss an die A8 dem Verkehr übergeben.

Die AIC 25 neu ist von der A 8 bis zur Kreuzung Augsburger Straße (Segmüller) kreuzungsfrei mit vier Brückenbauwerken (zweispurig) ausgebaut und mit Tempo 100 befahrbar. Von einer „Belastungsgrenze“ ist diese Straße weit entfernt, der Verkehr läuft auch zu Spitzenzeiten störungsfrei.

Die Gesamtkosten betrugen ca. 21,5 Millionen Euro. Diese Steuermittel werden durch einen vierspurigen Ausbau zum großen Teil „verbrannt“.

Mitten durch Friedberg

Die Osttangente, autobahn-ähnlich ausgebaut, tangiert unmittelbar die Friedberger Kernstadt und trennt sie von Friedberg-West und Augsburg ab.

Ein Teppich aus Lärm und Abgasen wird die Kernstadt, die angrenzenden Ortsteile Derching, Stätzling, Wulfertshausen, Friedberg-West und die St. Anton Siedlung in Augsburg überziehen.

Ortsumfahrung für Kissing? Entlastung für Mering/St. Afra?

Der ehemalige Kissinger Bürgermeister Wolf engagierte sich stark für das Großprojekt „Osttangente“, weil er eine Ortsumfahrung für seinen Ort wünschte. Wichtigstes Argument ist und war die Belastung der B2-Anlieger durch Lärm und Abgase. Sein Nachfolger und die Mehrheit des Gemeinderates stehen unverändert ebenfalls zur Osttangente.

Die jetztige B2 war seinerzeit die Umgehungsstrasse für Kissing und Wohngebiete waren mehrere hundert Meter entfernt davon. Ein ehemaliger Kissinger Bauamtsleiter schilderte uns,  die Entwicklung: In den frühen 50er Jahren nach dem Krieg gab es nur vereinzelte Häuser an der jetzigen B2, die hauptsächlich der Firma Fritsch bzw. deren Angestellten gehörten. Um für die Flüchtlinge des 2. Weltkrieges günstigen Wohnraum zu schaffen, wurden billigste Baugrundstücke an der B2 ausgewiesen. Dadurch setzte eine intensive Bebauung entlang der Straße ein, die letztendlich zu der heutigen Situation führte, mit immer mehr Wohnhäusern an einer Bundesstraße. In den 70er Jahren sollten dann Schallschutzwände errichtet werden. An den Kosten sollten sich die Hausbesitzer beteiligen. Diese lehnten das ab und so wurde diese sinnvolle Schallschutzmaßnahme nicht umgesetzt.  Trotz allem Verständnis für die Situation muss man leider sagen, dass ein großer Teil der Probleme  Kissings mit der B2 hausgemacht sind.

Wird es durch die Osttangente überhaupt die oft behauptete Entlastung für Kissing geben?

Da es bei der geplanten Osttangente keine Einschleifung innerorts geben wird, wird der Ziel- und Quellverkehr erhalten bleiben.  Der Verkehr wird sich dadurch maximal um die Hälfte verringern.  Dadurch wird es nur eine minimale Lärmentlastung geben. Siehe hierzu  Verkehr halbiert = Lärm halbiert?

Es wird nur wenige Zu- und Abfahrten geben. So ist für Mering lediglich ein Knoten kurz vor der Staustufe 23 geplant. Das bedeutet, dass der Verkehr auf der dann „alten“ B2, der an Mering vorbeiführt bzw. von Mering Richtung Kissing geht,  nach wie vor  die „alte“ Variante wählen wird. Dies gilt insbesondere für Zielverkehr nach Kissing und Friedberg. Damit wird es kaum zu einer nennenswerten Entlastung für Kissing und St. Afra  führen. Zielverkehr nach Mering und weiter Richtung Fürtsenfeldbruck, der von der  A8 auf der „neuen“ Trasse fließt, wird den Knotenpunkt bei Kissing auf die „alte“ B2 wählen und damit nach wie vor Kissing und St. Afra belasten.

Übrigens ergeben sich für Kissing auch erhebliche Nachteile: Die Bürger werden von den Naherholungsgebieten abgeschnitten und die Lärm- und Abgasbelästigung wird insgesamt zunehmen, besonders an den Naherholungsgebieten aber auch im Innenort bei vorherrschendem Westwind.

Schaut man sich die Wohnbebauung entlang der B2 an, so kommt man auf ca. 70 Häuser von denen ein Teil Einfamilienhäuser und ein Teil Mehrfamilienhäuser sind. Man kann grob schätzen, dass dort ca. 400 Menschen direkt an der B2 leben. Dahingegen wären mehrere tausend Menschen in der Region von der Osttangente betroffen. Und schaut man über die Gemeindegrenzen nach Friedberg, so fallen sofort die Kleingärtner an der B2 auf. Hier ist ein von ca. 2.000 Menschen intensiv genutztes Erholungsgebiet entstanden, welches direkt durch die Osttangente durchschnitten werden würde.

Eines darf man in Kissing nicht vergessen: Westlich von der Bahn in Kissing liegen ebenfalls Wohnhäuser und zwar ca. 17 an der Zahl, also zahlenmäßig ein Viertel der Wohnhäuser, die jetzt an der B2 liegen. Über deren Grundstücke würde die Osttangente führen – sie müssten umgesiedelt, entschädigt oder enteignet werden! Weiterhin liegen dort große Gewerbebetriebe wie z.B. Hasit-Trockenmörtel oder Klaus-Betonfertigteile. Die müssten diesen Standort aufgeben, da die Autobahn direkt über deren Grundstücke gehen würde. Wie passt das zum Argument der Gewerbeansiedlung? Wieviele Arbeitsplätze wären betroffen?

Man muss also festhalten, dass für die B2-Anlieger in Kissing durch die Osttangente eventuell eine geringe Entlastung entstehen würde, andere Anlieger, deren Zahl weit größer ist, würden aber duch die Osttangente erheblich belastet.  Wir sind der Meinung, dass man weder Menschen noch Natur gegeneinander ausspielen sollte. Natürlich brauchen die Anlieger an der B2 in Kissing eine Lösung, um die Lärm- und Abgasbelastung zu reduzieren. Diese Lösung kann aber nicht die Osttangente sein. Wir sind dafür, dass Kissing einen Stadt- und Verkehrsplaner beauftragt, der  nach einer Lösung sowohl für alle Anlieger an der B2 als auch für die städtebaulichen Probleme sucht.  Beispiele für eine umnittelbare Entlastung könnte eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 kmh sein. Die Gesetzeslage lässt dies durchaus zu und viele Gemeinden in Baden-Württemberg haben dies bereits durchgesetzt. Oder eine veränderte Ampelschaltung, die den Verkehrsfluss erhöht. Oder Lärmschutzwände oder Flüsteraspahlt. Lärmschutzwände und Flüsterasphalt wurden aber bisher aus Kostengründen abgelehnt, die Frage ist nun, ist ein 210-Millionen-Projekt billiger? Wir sind überzeugt, dass eine kreative Planung durchaus Spielräume bietet für Lösungen, die die B2-Anlieger in Kissing entlasten.

 

Schneller, höher, weiter?

Grundsätzlich muss die Frage erlaubt sein, wohin der Wachstumswahn in unserer Gesellschaft führen soll. Sollen alle Flächen schrittweise zugepflastert, dem Auto geopfert und durch neue Straßen neue Verkehrsströme erzeugt werden?

Ja, Teile unserer Region werden in den nächsten Jahren wohl noch etwas wachsen, aber auch das sind nur Prognosen, die von Menschen gemacht und nicht gottgegeben sind. Der Bau dieser vierspurigen autobahn-ähnlichen Trasse ist nicht die einzige Lösungsmöglichkeit.

Info: Aktuelles Verkehrsaufkommen in der Region

Unabhängiges Aktionsbündnis gegen die Osttangente Augsburg