Archiv der Kategorie: Presse

Presseartikel über das Thema Osttangente.

Presseerklärung zu den Neuplanungen nach Treffen mit dem Staatlichen Bauamt

 

Mering, den 7. Juli 2021

Das Staatliche Bauamt hat uns bei unserem kürzlichen Besuch bestätigt, dass es keine Entlastung der B17 in Augsburg geben kann und das Ziel der Osttangente nicht realisiert werden kann – selbst wenn die Osttangente vierspurig in voller Länge gebaut werden würde. Es wird auch keine Entlastung der B300 in Friedberg sowie keine Herabstufung als Kreis- oder Ortsstraße geben. In Kissing wird sich die Situation nicht entscheidend verbessern – auch bei Verlegung der B2 auf die Auenstraße. Ziel des Projektes sei es nach wie vor, eine leistungsfähige Verkehrsachse zwischen Mering und der A8 mit kreuzungsfreien Knotenpunkten zu schaffen, um den lokalen Verkehr zu bündeln. Eine Zeitplanung sei schwierig. Man möchte aber mit der Ortsumfahrung Kissing beginnen.

Wolfhard von Thienen, Sprecher des Aktionsbündnisses zeigt sich skeptisch: „Jetzt stellt sich nach sechs Jahren Planung heraus, dass das Ziel der Osttangente, die Entlastung der B17, nicht erreicht werden kann. Versprechen, wie die nachhaltige Entlastung Kissings und Friedbergs, können ebenfalls nicht erfüllt werden. All dies wurde vom Aktionsbündnis schon lange thematisiert, aber von den Verantwortlichen ignoriert. Stattdessen werden jetzt neue Ziele definiert, nur um das Projekt und die Finanzierung über den Bundesverkehrswegeplan zu retten.“ Gudrun Richter, ebenfalls Sprecherin des Aktionsbündnisses ergänzt: „Das Konzept ist in sich nicht schlüssig, denn es entstehen dadurch neue Verkehrsprobleme, die dann sehr bald einen weiteren Straßenausbau erfordern. Der Bau der Osttangente wird mittelfristig auf Etappen, im Prinzip wie im Bundesverkehrswegeplan aufgeführt, erfolgen.“ Auch Josef Metzger von der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Lechleite betont, dass es „auf keinem Fall zu einem vierspurigen Ausbau der AIC25 kommen darf, da dies der Einstieg in einen vierspurigen Ausbau der gesamten Osttangente wäre“. Claudia Eser-Schuberth, 3. Bürgermeisterin von Friedberg, lenkt den Blick auf die Bundespolitik: „Es ist klar erkennbar, dass wir die Verkehrsprobleme in unserer Region nicht durch weiteren Straßenbau lösen können, denn sie sind das Resultat einer falschen Verkehrspolitik der vergangenen Jahrzehnte und nur auf Bundesebene durch eine Mobilitätswende lösbar“.

Das Aktionsbündnis anerkennt die Bemühungen des Staatlichen Bauamtes lehnt aber die vorgeschlagene Lösung ab. Wir begründen dies damit, dass die Straße den Charakter einer Schnellstraße haben wird und deutlich mehr Verkehr bringen wird. Staus sind dann vorprogrammiert und der Ruf nach einem weiteren Ausbau wird schnell kommen. Der Ausbau der AIC25 ist unnötig, er ist überdimensioniert und führt zu hohen Kosten, denn unter anderem müssen drei Brückenbauwerke ersetzt werden. Der jetzt geplante kreuzungsfreie Ausbau von sieben Knotenpunkten wird viel Fläche verbrauchen und das Landschaftsbild in unserer Region durch hohe Brückenbauwerke negativ prägen und die Lärmbelastung verstärken. Durch die neue Straße werden viele Orte schwer belastet, der Norden von Mering-St. Afra, die Anwohner der Auenstraße in Kissing sowie die Erholungssuchenden am Auensee und der Friedberger Badeseen, die Kleingartenanlage in Friedberg und die Anwohner von Friedberg-West, Derching, Stätzling und Wulfertshausen, nur um einige zu nennen. Erfahrungsgemäß werden sich im Umgriff der Straße weitere Gewerbe- und Industriegebiete angesiedelt, anstatt bislang ungenutzte Gewerbeflächen zu entwickeln.

Zur Entlastung der vorhandenen Problemstellen haben wir immer wieder Vorschläge gemacht. So fordern wir, dass die Untertunnelung Kissings geprüft wird. Es gibt viele Beispiele dafür, dass dies auch bei hohem Grundwasserstand möglich ist (Starnberg, München-Allach etc.). Auch würden dadurch die aufwendigen Brückenquerungen der Bahn entfallen und Mering St. Afra-Nord nicht zusätzlich belastet. Statt aufwendiger Hochbauten für kreuzungsfreien Verkehr sollten auch Kreisverkehre geprüft werden. Um den Verkehr insgesamt zu entschleunigen und damit Staus und Unfälle zu minimieren, fordern wir auf der gesamten Strecke außerhalb der Ortschaften Tempo 70. Weitere Tempolimits an neuralgischen Punkten wie z.B. Chippenham-Ring sind zu prüfen. Innerhalb der Ortschaften sollte Tempo 30 gelten. Die B300 sollte herabgestuft werden, um Tempolimits und Tonnagebeschränkungen umsetzen zu können – sie kann schon jetzt auf die AIC25 und A8 verlegt werden, beide sind dafür leistungsfähig. Wichtig ist, dass andere Verkehrsträger einbezogen werden. Wir fordern daher den Ausbau des Bahnnetzes für effiziente Warentransporte, die Errichtung leistungsfähiger Radschnellnetze und deutliche Verbesserungen des ÖPNV-Angebotes. Eine Bahn- oder Straßenbahnlinie Mering–Königsbrunn–Bobingen ist zu prüfen.

Das BGH-Urteil zu den Klimazielen hat den dringenden Handlungsbedarf deutlich aufgezeigt. Wir fordern daher den Bundesverkehrswegeplan nach Klima- und Umweltgesichtspunkten zu überarbeiten und die Straßenverkehrsordnung zu reformieren. Das Projekt Osttangente muss aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden. Ein großer Teil der für den Neubau von Straßen vorgesehen Bundesmittel sollte zu Gunsten ÖPNV und Radverkehr umgeschichtet werden.

Wir sind gespannt, wie die Diskussionen um den jetzt vorliegenden Vorschlag des Staatlichen Bauamtes verlaufen werden und sind gerne bereit, uns daran, z.B. im Rahmen eines runden Tisches, konstruktiv zu beteiligen.

Studie des Navigationsdienstleisters TomTom

Bereits im Jahre 2017 und 2018 veröffentlichte INRIX zwei weltweite Studien zur Staubelastung von Großstädten. Augsburg landete dabei immer im unteren Drittel der ausgewählten deutschen Großstädte. Dies wurde jetzt durch TomTom bestätigt. Von den ausgewählten 25 deutschen Städten landete Augsburg auf Rang 21. Hierzu haben wir folgenden Leserbrief in der Augsburger Allgemeinen veröffentlicht:

Neue Straßen sind keine Lösung
Zum Thema Stau in Augsburg:
In Ihrem Artikel zur Verkehrsstudie des Navigationsdienstleisters TomTom behaupten Sie „Augsburg zählt zu den 25 staubelastetsten deutschen Städten“. Diese Aussage im Untertitel des Artikels weckt den Eindruck, dass Augsburg ein großes Stauproblem hat.
Leider ist diese Aussage aus unserer Sicht falsch und das Gegenteil ist der Fall. Für die Studie wurden die 25 größten deutschen Städte bzw. Regionen ausgewählt. Unter diesen 25 Städten nimmt Augsburg Rang 21 ein, gehört also zu den am wenigsten belasteten Großstädten.
Die Ergebnisse der TomTom-Studie entsprechen damit den Ergebnissen der INRIX-Studie aus dem Jahr 2017 und 2018 in denen Augsburg auch im unteren Drittel landete. Es gibt sicherlich auch in Augsburg Handlungsbedarf, aber im Vergleich zu anderen Städten hat Augsburg relativ geringe Stauprobleme. Diese werden wir sicherlich nicht durch neue Autobahnen und Schnellstraßen lösen, sondern nur durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der Bahn und eines guten Fahrradwegenetzes. Wir werden die Verkehrsprobleme sicherlich auch nicht dadurch lösen, dass wir mit der Osttangente eine autobahnähnliche Schnellstraße mitten durch die Wasserschutzgebiete Augsburgs bauen. Das passt nun wirklich nicht zu einer für ihr Wassermanagement ausgezeichneten frisch gekürten Unesco-Weltkulturerbestadt.
Aktuell werden gerade viele Millionen an Steuergeldern für die Planungen dieser Straße vom staatlichen Bauamt ausgegeben – das sollte sofort gestoppt werden und das Geld lieber in die Umsetzung eines modernen Mobilitätskonzeptes gesteckt werden.

Presserklärung zur sogenannten Wörle-Spange

Presseerklärung Aktionsbündnis Keine Osttangente (A-KO) zur Wörle-Spange

Mit den Planspielen des Gersthofener Bürgermeisters Wörle wird deutlich, worauf das Aktionsbündnis Keine Osttangente (A-KO) immer wieder hinweist: Die Osttangente ist kein harmloser Zusammenschluss von segensreichen Ortsumgehungen sondern eine neue überregionale Verkehrsachse für den Großraum Augsburg/München. Gerade eben haben die Planungen begonnen, schon wird die nächste „Ortsentlastungsstraße“ mal so nebenbei in die Diskussion geworfen. Der Autobahnringschluss durchs Lechtal zwischen Königsbrunn, über Mering, Kissing, Friedberg und Langweid wäre damit perfekt. Man sollte deshalb in Zukunft auch besser von „Lechautobahn“ statt Osttangente sprechen. Diese Autobahn wurde gemäß den Zielen des Bundesverkehrswegeplanes konzipiert, um die ausufernden Verkehrsströme im Großraum Augsburg/München durch das Lechtal zu leiten. Führende Politiker der Region verkaufen sie den Bürgerinnen und Bürgern als harmlose Ortsumgehungen, trotz der anderslautenden Zielvorgaben. Statt einer Entlastung erhalten diese Bürger mindestens 16.000 zusätzliche PkW und LkW pro Tag in unmittelbarer Nähe zu ihren Wohnungen und Erholungsgebieten. Mit der sogenannten Wörle-Spange ist dann zusätzlicher Verkehr Richtung Norden programmiert, mitten durch hochsensible Naherholungs- und Naturschutzgebiete entlang des Lech. Angesichts Klimawandel, Feinstaubbelastung und ausuferndem Flächenfraß werden wir in den nächsten Jahren den Verkehr nicht mehr aus Sicht des Automobils und des Straßenbaus denken, sondern eine dramatische Mobilitätswende erleben. Für unsere Region bedeutet dies, dass ein modernes, auf Bahn, ÖPNV und  Fahrradschnellwegen ausgerichteten Mobilitätskonzept entwickelt werden muss, statt das Lechtal, seine Naturschätze und seine für die Bevölkerung wichtigen Erholungsgebiete einer Autobahn zu opfern, die nur noch mehr Autoverkehr produzieren wird. Für eine solche Mobilitätspolitik bedarf es aber fortschrittlich denkender Politiker und keines rückwärtsgewandten Verkehrsministers, der davon träumt, dass Lufttaxis die Mobilitätswende bringen und sein Amt ganz offensichtlich als politische Vertretung der Automobillobby versteht. Öffentliche Steuergelder in Millionenhöhe in die Planungen der Osttangente zu stecken, ist angesichts der vorherrschenden enormen Umweltprobleme, die wir gemeinsam zu lösen haben, reine Geldverschwendung. Offenbar sind unsere Kinder schlauer und verantwortungsvoller als wir, wenn sie jetzt weltweit ein konsequentes Ende des Raubbaus an unserem Planeten fordern. In diesem Zusammenhang verknüpfen wir die Ablehnung der Wörle-Spange durch den Landrat Dr. Metzger und den Abgeordneten Tomaschko mit der Hoffnung, dass sie sich jetzt beide klar gegen die Osttangente im südlichen Landkreis positionieren. Gegen eine neue Entlastungsspange im nördlichen Landkreis zu sein und gleichzeitig eine Entlastungsspange im südlichen Landkreis zu befürworten, passt nämlich nicht wirklich zusammen.