Verkehr halbiert = Lärm halbiert?

Am Donnerstag fand unsere Veranstaltung „Abgasskandal und Osttangente  in Mering statt. Die Friedberger Allgemeine hat in zwei Artikeln die wichtigsten Argumente gut dargestellt (Bündnis droht mit Klage gegen die Augsburger Osttangente und Gegner wollen „Wahnsinns-Trasse“ ausbremsen). Eines, das besonders für Kissing relevant ist und von Wolfhard von Thienen vorgebracht wurde, fehlte aber leider.

Die meisten Menschen nehmen an, dass eine Halbierung des Verkehrs (wie es jetzt bei der Verkehrssperrung auftrat) auch eine Halbierung des Lärms bedeutet. Unsere Wahrnehmung von Lautstärke verläuft aber anders. Das Bundesministerium für Verkehr erläutert in seiner Broschüre „Lärmschutz im Verkehr“ im Abschnitt Grundlagen (Seite 16), dass eine Halbierung des Verkehrs gerade noch wahrgenommen wird. Um eine Halbierung des Verkehrslärms zu erreichen, muss der Verkehr um 90 % reduziert werden. Selbst in Kissing glauben die größten Träumer nicht, dass der Verkehr durch die Osttangente entsprechend sinkt (z.B. von 20000 Fahrzeugen auf 2000 Fahrzeuge pro Tag).

Zur Entlastung der Kissinger B2-Anlieger von Lärm ist der Bau der Osttangente also völlig unsinnig. Entweder wissen das die Befürworter nicht, oder sie verschweigen es bewusst. Für die  B2-Anlieger wird es daher vermutlich nach Fertigstellung der Osttangente ein böses Erwachen geben.

Dabei gibt es u.a. verschiedene Alternativen, die bisher aber weitgehend ignoriert werden:

  • Alleine das Aufbringen von Flüsterasphalt würde den Lärm um mindestens ein Drittel bis etwa die Hälfte senken und das wäre sicher ungleich kostengünstiger und zudem sehr schnell umsetzbar.
  • Eine Reduktion des Verkehrs um 90 % könnte  eventuell durch Tieferlegen der B2 durch Kissing erreicht werden. Technisch ist das trotz Grundwasser sicher machbar wenn man an Bauwerke wie die Tunnels unter der Isar oder unter dem Ärmelkanal denkt. Zumindest sollte diese Variante ernsthaft geprüft werden. Wenn man auf den Bau der „Goldvariante“ Osttangente verzichten würde, wären sicher auch entsprechende finanzielle Mittel für den Tunnelbau verfügbar.

Werden solche Alternativen nicht geprüft, kann das der Ausgangspunkt für eine Klage gegen die Osttangente sein.

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